Verein für Finanzgeschichte (Schweiz und Fürstentum Liechtenstein)

Association pour l'histoire de la finance (Suisse et Principauté du Liechtenstein)

Association for Financial History (Switzerland and Principality of Liechtenstein)

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"Beiträge zur Finanzgeschichte" (verfügbare Titel)

Heft 1: Walther Hofer, Herbert R. Reginbogin: Hitler, der Westen und die Schweiz 1936-1945 (15 S.)

Im Herbst 2001 erschien die breit angelegte Arbeit "Hitler, der Westen und die Schweiz 1936-1945". In einem ersten Teil bettet der international renommierte Berner Historiker Walther Hofer die Schweiz in ihr weltpolitisches Umfeld ein. Dabei stellt er deutsche Aggressivität und westliche Passivität einander gegenüber. Im zweiten Teil des Buches beleuchtet der amerikanische Historiker Herbert R. Reginbogin die wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen westlicher Demokratien - der USA, Grossbritanniens und der Schweiz - mit der Nazi-Diktatur. Das vorliegende Heft enthält eine Kurzfassung dieser umfangreichen Publikation.

Heft 2: Werner de Capitani: Bankgeheimnis und historische Forschung. Rechtsgutachten (32 S., auch in Englisch und in Französisch erhältlich)

Nach der heutigen schweizerischen Rechtslage scheint eine legale Möglichkeit, Historikern ohne Zustimmung des Kunden Einblick in Kundenakten zu gewähren, nicht zu bestehen. Wenn die Entwicklung in den vergangenen Jahren etwas deutlich gemacht hat, so ist es dies, dass die Lüftung des Bankgeheimnisses im Interesse der historischen Forschung einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage bedarf.

Heft 3: Michel Fior: Le rôle de l 'Entre-deux-guerres dans le développement de la place financière suisse (15 S., nur in Französisch erhältlich)

Inwieweit gehen die Anfänge des Aufstiegs der Schweiz zu einem internationalen Finanzzentrum auf die 1920er und 1930er Jahre zurück? Geldpolitisch verschafft sich die Schweizerische Nationalbank nach dem Ersten Weltkrieg durch die Stabilisierung des Schweizer Frankens und die Rückkehr zum Goldstandard eine starke Stellung. In dieser Übergangszeit wird der harte Franken zu einer gesuchten Fluchtwährung, nicht zuletzt aufgrund einer Geldpolitik, welche vor allem die Interessen des Finanzplatzes im Auge hat. Weit davon entfernt, neutral zu sein, festigt sie die Stellung der Schweizer Grossbanken als Zufluchtsort für Fluchtgelder und begünstigt die Kapitalexporte. Die Eingriffe der Bundesbehörden in die Finanzgesetzgebung, die im Bankengesetz von 1934 gipfeln, stärken die Glaubwürdigkeit und damit die weltweite Attraktivität des schweizerischen Finanzplatzes. Auch das internationale Umfeld ist von grossem Einfluss auf die Entwicklung der Finanzbeziehungen der Schweiz: Während viele Nachbarländer unter mehr oder weniger ausgeprägter politischer oder fiskalpolitischer Instabilität leiden, vermittelt die Schweiz das Bild eines politisch stabilen Landes mit berechenbarer und massvoller Steuerbelastung. Die Neutralität des Landes verfestigt diese Überzeugung weltweit. Schliesslich wären die Strukturwandlungen im Schweizer Bankwesen zu erwähnen: der starke Konzentrationsprozess (drei der acht Grossbanken verschwinden) und die Methoden des Risikomanagements, die für Auslandanlagen eine neue Basis schaffen. Die Zunahme des Anlagevolumens der Grossbanken in den Vereinigten Staaten ab 1936 und die Eröffnung erster Niederlassungen in New York machen deutlich, dass die Schweizer Banken sich in das internationale Finanzsystem der Nachkriegszeit integriert haben.

Heft 4: Jean-Christian Lambelet: Recherche historique et sciences sociales. Réflexions d'un économiste iconoclaste (24 S., nur in Französisch erhältlich)

Ist es heute noch möglich, historische Forschung ohne Hilfe jener analytischen Methoden zu betreiben, wie sie von den modernen Sozialwissenschaften entwickelt wurden, vor allem von den nationalökonomischen und politischen Wissenschaften? Die vorliegende Studie will aufzeigen, dass dies in gewissen Bereichen zwar möglich ist, für eine wachsende Zahl von wichtigen Themen aber nicht ausreicht. Ein Beispiel ist die Abfolge der Ereignisse, die im Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gipfelten. Die verschiedenen Hypothesen über den Aufstieg und die Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland können nur mit Hilfe statistischer (ökonometrischer und politometrischer) Methoden schlüssig überprüft werden. Auch die Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre mit all ihren politischen Folgen kann nur unter Zuhilfenahme der modernen ökonomischen Analyse verstanden werden. Da die Beherrschung dieser Methoden deren Kenntnis voraussetzt, werden von seiten der Historiker vermehrt solche Studienmöglichkeiten nachgefragt. Wenn dieses Wissen nicht vorhanden ist, so entsprechen die Forschungsergebnisse nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, wie dies bei den Veröffentlichungen der Bergier-Kommission auf weiten Strecken der Fall ist. Daraus folgt, dass für die künftigen Historiker ein gründliches Studium der Sozialwissenschaften - oder zumindest einer ihrer Disziplinen - unumgänglich ist. Dem steht in der Praxis nichts entgegen; allfällige Hindernisse sind vorwiegend psychologischer Art.

Heft 5: Beat Kappeler: Nach 50 Jahren: Die Renten für die Alten in einer neuen Welt (24 S.)

Die Verhältnisse der Demographie, der Firmen, der Arbeitswelt, der Sozialpolitik und der Werthaltungen haben sich in den fünfzig Jahren der obligatorischen Altersversicherung in der Schweiz dramatisch verändert. Diese Veränderungen sind ebenso deutlich seit den dreissig Jahren erfolgt, da die Grundrisse der zweiten Säule nach der Volksabstimmung 1972 festgelegt wurden. Das Bewusstsein, dass diese Systeme damit alt sind, fehlt aber weitgehend. Die meisten Politiker glauben, mit einigen Anpassungen auszukommen. Es fehlt noch die Erkenntnis, dass solche Systeme einem ganzen "Design" entsprechen, dass sie also mit Lebensalter, Lebensläufen, Arbeitsbiographien, mit Firmenprozessen und mit überstaatlichen Wanderungen und Märkten zusammenpassen müssen. Dieser Beitrag zeigte einige der Veränderungen auf, um unerwartete Blickwinkel zu schaffen und die Bereitschaft zu fördern, bei der Reform der Altersversicherung nicht nur zwischen den Begriffen Abbau oder Ausbau zu schwadronieren.

Heft 6: Nikolaus Linder: Der Fall Malacrida. Ein Berner Bankenkrach und seine Folgen (27 S.)

Ambitionierte Pläne zur Staatsfinanzierung in Frankreich und Grossbritannien führten im Herbst 1720 zum Zusammenbruch der europäischen Effektenbörsen. Opfer der Krise wurden auch zwei Berner Banken, Malacrida & Cie. und ihre Korrespondentin Samuel Müller & Cie. in London. Als Folge der Bankrotte kam die Stadt mehrmals an den Rand einer Verfassungskrise. Die grosse Anzahl der Betroffenen lähmte die politischen Institutionen. Auch erwies sich eine satzungsgemässe Liquidation der Bank als nicht durchführbar. Erst als der Bankier David Gruner 1722 die Aktiven und Passiven Malacridas in einem Auskauf übernahm, kehrte Ruhe ein. Die Auseinandersetzung mit Samuel Müller und seinen Londoner Partnern mündete in jahrelange Rechtsstreite, die erst 1729 vergleichsweise beigelegt wurden.

Die Krise führte zu verschiedenen Änderungen des Berner Rechts. So geht der Plan einer Handelsordnung direkt auf die Krise zurück, nachdem man 1723 sogar erwogen hatte, Banken völlig abzuschaffen.

Das Trauma der Krise von 1720 hatte nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Finanzsektors in Bern. Es dauerte fast dreissig Jahre, bis wieder eine Bank gegründet wurde. Bern verfehlte so den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung, mit Konsequenzen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein.

Heft 7: Robert U. Vogler: Das Schweizer Bankgeheimnis: Entstehung, Bedeutung, Mythos (112 S., auch in Englisch erhältlich)

Der Aufstieg des Finanzplatzes Schweiz begann vor rund hundert Jahren, und im Verlaufe der letzten fünfzig Jahre erlangte er aus einer bescheidenen internationalen Position zweifellos eine signifikante, wenn auch im internationalen Vergleich nur relative Grösse. Die grossen Schwierigkeiten der Schweizer Banken - hauptsächlich in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts - konnten die Erfolgsgeschichte zwar bremsen, aber nicht aufhalten. Resultat dieser Krise war eine Bankengesetzgebung, welche auch die gesetzliche Festlegung des Bankgeheimnisses mit sich brachte.

Für den Erfolg des Schweizer Finanzplatzes wird vielfach das Bankgeheimnis als unabdingbare Voraussetzung vorgebracht. Bis 1935 existierte in der Schweiz aber keine nationale Bankengesetzgebung und damit auch kein kodifiziertes Bankgeheimnis. Dagegen war im Verlaufe der Jahrhunderte ein ausgeprägtes Treueverhältnis zwischen Banken und Kunden entstanden, welches als ungeschriebenes Gesetz Usus wurde, ähnlich dem Anwalts-, Arzt- oder Priestergeheimnis. De facto bestand das Bankgeheimnis somit bereits seit langem, während seine Kodifizierung erst relativ spät folgte. Ein ausgesprochen liberales wirtschaftspolitisches Umfeld und ein ebenso ausgeprägtes Verständnis für die private Diskretion hatten gesetzliche Vorschriften bis dato überflüssig gemacht.

Seit die Gesetzgebung für Banken und Sparkassen auf nationaler Ebene in Kraft ist, wurde das Bankgeheimnis zum Gegenstand von Diskussionen und war nahezu permanenten Angriffen aus dem In- und Ausland ausgesetzt. Die vorliegende Studie versucht einen Überblick über Abläufe, Ereignisse und Beweggründe der verschiedenen Akteure zu geben, will aber auch die Mythenbildung rund um das Bankgeheimnis nicht ausser acht lassen.

Diese Publikation richtet sich an ein breiteres, aber interessiertes Publikum und möchte in erster Linie die grossen Zusammenhänge rund um das Bankgeheimnis aufzeigen und dem Leser in verständlicher Weise vermitteln. Sie umfasst den Zeitraum von rund hundert Jahren - von 1890 bis 1990 - und erhebt in keiner Weise Anspruch auf Vollständigkeit. Jüngste Ereignisse lässt sie bewusst weitgehend weg. Sie scheinen dem Autor noch zu nahe an der Gegenwart zu sein, als dass sie abschliessend beurteilt werden könnten, oder sind teilweise noch gar nicht zu einem Ende gekommen. Dies entspricht der klassischen Betrachtungsweise der Geschichtswissenschaft, nach der eine faire Geschichtsschreibung frühestens nach Verstreichen einer Generation einsetzen sollte. Im Zeichen der Schnellebigkeit unserer Zeit wurde diese Zeitspanne allerdings etwas reduziert.

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